Siedlungsnet

Darmstadt, eine Reise ins Zentrum des Jugendstils

Darmstadt ist viel weniger bekannt als sein turbulenter Nachbar Frankfurt, aber es ist voller unerwarteter Schätze, denn bevor es “die Stadt der Wissenschaft” ist, kann es sich rühmen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Hauptstadt des Jugendstils in Deutschland gewesen zu sein. Sein außergewöhnliches architektonisches Ensemble verdankt es extravaganten internationalen Ausstellungen, die die Stadt zwischen 1901 und 1914 komplett neu gestalteten. Bäder, Gärten und zeitgenössische Kunst unterstützen die Entdeckung dieses fabelhaften künstlerischen Labors Europas. Tag 1: Eine Kunstgeschichte der Stadt Eine gute Möglichkeit, die Identität der Stadt zu entdecken, ist ein Spaziergang durch das Martinsviertel. Sie werden die Gründerzeitarchitektur der Gebäude bewundern, dieser bürgerliche Stil, der den wirtschaftlichen Aufschwung des 19. Jahrhunderts bezeugt. An der Kurve des Viktoriaplatzes geht es zum Café Bleu, um ein großes Stück Karottenkuchen zu genießen, bevor Sie Ihre Reise fortsetzen. 10h30. Die kulturelle Ausnahme der Mathildenhöhe Auf der Mauerstraße Richtung Mathildenhöhe, wörtlich “Mathilde’s Hill” genannt nach Prinzessin Mathilde von Bayern. 1898 machte Großherzog Ernst Ludwig diesen bescheidenen Hügel zum Schauplatz einer Revolution. Um das wirtschaftliche Potenzial der Stadt (damals Landeshauptstadt Hessens) zu steigern, gründete er die erste “Künstlerkolonie”: Sieben Künstler und Architekten wurden nach Darmstadt eingeladen, um eine internationale Ausstellung zu veranstalten.

Darmstadt

In der Mathildenhöhe Darmstadt befand sich zwischen 1899 und 1914 die legendäre Künstlerkolonie des jungen Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen. Unweit des Stadtzentrums gelegen, wurde es zu einem sensationellen Experimentierfeld für künstlerische Innovationen, durch das der aufgeschlossene Herrscher und eine Gruppe junger Künstler ihr Konzept der Verschmelzung von Kunst und Leben verwirklichten. Ihre Absicht war es, Architektur und Innenarchitektur zu revolutionieren, um eine Kultur des modernen Lebens zu schaffen. Der Lebensstil der gesamten Menschheit musste reformiert werden, um an Schönheit und Glück sowie an Einfachheit und Funktionalität zu gewinnen. Dieser ideologische Aspekt war besonders wichtig in den euphorischen Anfängen, als die Künstlerkolonie noch unter dem Einfluss eines elitären Ästhetizismus stand. Ab 1901 wurde das Programm immer rationeller und realistischer. Die Entwicklung der Ideen zeigt sich vor allem in den vielen Gebäuden, die zwischen 1900 und 1914 auf der Mathildenhöhe entstanden sind. Sie wurden in den Jahren 1901, 1904, 1904, 1908 und 1914 in vier umfassenden Ausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt. Obwohl die Künstler zunächst ausschließlich für den Bau von Privatvillen geplant waren, entstanden später auf der Mathildenhöhe Mehrfamilienhäuser und Arbeiterwohnungen in Form von großformatigen Architekturmodellen, die ihre Bemühungen zur Bewältigung der damaligen Lebens- und Wohnprobleme dokumentieren. Die gesamte